Beim Training mit dem Pferd geht es nicht nur um das korrekte Ausführen von Übungen – es geht vor allem um Kommunikation. Pferde sprechen nicht mit Worten, sondern mit ihrem Körper. Doch wie oft ignorieren wir die subtilen Hinweise, die sie uns geben? Nicht immer bewusst, auch aus Unwissenheit. Missverständnisse (und teilweise auch Problemverhalten) entstehen, wenn der Mensch die Signale seines Pferdes nicht erkennt oder falsch deutet. Das Ziel dieses Artikels ist, dich für die wichtigsten Körpersignale deines Pferdes zu sensibilisieren und zu zeigen, wie du dadurch dein Training verbessern kannst.
Signal 1: Kauen und Lecken
Kauen und Lecken wird häufig als Zeichen der Entspannung gedeutet. Es tritt oft dann auf, wenn das Pferd mental stark gefordert wurde und eine Lösung für eine Aufgabe gefunden hat. Doch es kann auch eine Stressreaktion sein.
Tipp: Beobachte das gesamte Verhalten des Pferdes – tritt das Kauen nach einer stressigen Situation auf, dann kann es ein Zeichen dafür sein, dass dein Pferd Spannung abbaut.
Signal 2: Schnauben
Ein schnaubendes Pferd signalisiert häufig, dass es sich entspannt oder Stress abbaut. Schnauben kann auftreten, wenn das Pferd eine schwierige Situation gemeistert hat und sich wieder sicher fühlt.
Wichtig: Nicht jedes Schnauben ist positiv – manchmal ist es auch ein Anzeichen von Frustration. Die gesamte Körpersprache des Pferdes gibt hier Aufschluss.
Signal 3: Gähnen
Gähnen ist oft ein Zeichen dafür, dass das Pferd Spannungen abbaut oder versucht, sich zu entspannen. Manche Pferde gähnen auch nach intensiver mentaler Anstrengung, wenn sie etwas Neues gelernt haben.
Wichtig: Häufiges Gähnen in kurzen Abständen kann auch ein Hinweis auf körperliche Probleme wie Magenbeschwerden sein.
Signal 4: Kauende Kieferbewegungen ohne Futter
Manchmal zeigen Pferde kauende Bewegungen, obwohl sie nichts im Maul haben. Das ist oft ein Zeichen, dass sie etwas verstanden haben oder sich entspannen.
Tipp: Nutze solche Momente, um das Training zu beenden oder eine kurze Pause einzulegen.
Signal 5: Abwenden des Kopfes zum Covern einer Körperseite
Ein Pferd, das, wenn du an eine Seite des Pferdes gehst, den Kopf in diese Richtung bewegt und ihn dort lässt, solange du Anstalten machst, auf die Seite zu gehen, möchte verhindern, dass du dies tust. Es will mit seinem Kopf die entsprechende Seite "schützen". Hinterfrage, wieso. Es zeigt dir mit diesem Verhalten Unbehagen oder Überforderung.
Signal 6: Veränderte Bewegungsqualität
Ein plötzlich steifer Gang, Stolpern oder verlangsamte Bewegungen sind Hinweise darauf, dass dein Pferd möglicherweise Schmerzen hat oder das Training für es unangenehm ist.
Tipp: Reduziere die Intensität des Trainings und überprüfe, ob das Pferd Lahmheitsanzeichen zeigt.
Signal 7: Anspannen der Muskulatur
Ein plötzliches Anspannen des Körpers (zum Beispiel des Halses oder der Rückenmuskulatur) zeigt, dass das Pferd unter Stress steht oder mit einer Übung kämpft. Anhaltende Anspannung kann auf Schmerz oder Unwohlsein hinweisen.
Tipp: Reduziere den Schwierigkeitsgrad der Übung und gib dem Pferd Zeit, sich zu entspannen.
Signal 8: Vermehrtes Blinzeln
Wenn ein Pferd häufig und langsam blinzelt, zeigt es, dass es entspannt und aufmerksam ist. Pferde, die gestresst sind, blinzeln dagegen seltener und starren häufig angespannt auf ihre Umgebung.
Tipp: Nimm dir Zeit für kleine Pausen, wenn du merkst, dass dein Pferd aufmerksam, aber entspannt blinzelt. Es verarbeitet gerade das Gelernte.
Signal 9: Weites Öffnen der Nüstern
Weit geöffnete Nüstern deuten auf Aufregung, Neugier oder Stress hin. Wenn das Pferd entspannt ist, sind die Nüstern weicher und geschlossen.
Tipp: Arbeite in solchen Momenten daran, das Pferd zur Ruhe zu bringen, bevor du weitermachst.
Signal 10: Steifes Maul
Ein entspanntes Pferd hat ein weiches, leicht bewegliches Maul. Ein angespanntes oder zusammengepresstes Maul kann Unwohlsein, Stress oder Unzufriedenheit signalisieren.
Signal 11: Augenausdruck
Ein weiches, ruhiges Auge signalisiert Gelassenheit und Wohlbefinden. Ein weit aufgerissenes oder starres Auge weist hingegen auf Angst, Anspannung oder starke Konzentration hin.
Tipp: Lerne, den Augenausdruck deines Pferdes in unterschiedlichen Situationen zu deuten – es kann dir helfen, rechtzeitig auf Stress oder Überforderung zu reagieren.
Signal 12: Nicken oder Kopfschlagen
Ein Pferd, das ständig den Kopf schlägt, zeigt oft Unmut, Irritation oder Stress. Kopfnicken kann jedoch auch ein spielerisches Verhalten oder eine Aufforderung zur Interaktion sein.
Tipp: Achte auf die Häufigkeit und den Kontext. Kopfschlagen kann auf störendes Equipment (z. B. schlecht sitzendes Halfter) hinweisen.
Signal 13: Schweifschlagen
Ein unruhig schlagender Schweif ist ein klares Zeichen von Frustration, Ärger oder Stress. Manchmal kann es auch auf eine körperliche Ursache wie Insekten oder Schmerzen hindeuten.
Tipp: Beobachte die Situation genau: Zeigt dein Pferd dieses Verhalten nur bei bestimmten Übungen? Überlege, ob die Aufgabe oder der Reiz angepasst werden sollte.
Signal 14: Schweifhaltung
Neben dem Schweifschlagen sagt auch die Schweifhaltung viel aus. Ein locker hängender Schweif zeigt Entspannung, während ein stark eingeklemmter Schweif auf Angst oder Stress hinweist.
Tipp: Beobachte die Schweifhaltung deines Pferdes in verschiedenen Situationen, um seine Emotionen besser zu verstehen.
I. Die Kombination von Signalen verstehen
Pferde zeigen selten nur ein Signal isoliert – oft treten mehrere Signale gleichzeitig auf.
II. Unterschied zwischen Stressabbau und Entspannung
Viele Signale wie Schnauben oder Kauen können sowohl auf Stressabbau als auch auf Entspannung hinweisen.
III. Langfristige Veränderungen im Verhalten
Pferde, die dauerhaft bestimmte Signale zeigen (z. B. angespannte Maulpartie oder ständiges Kopfschlagen), können auf tiefer liegende Probleme hinweisen, wie Stress im Alltag, mangelndes Vertrauen oder gesundheitliche Probleme.
Chronischen Stress beim Pferd erkennen
Chronischer Stress entwickelt sich, wenn ein Pferd über einen längeren Zeitraum immer wieder belastenden Situationen ausgesetzt ist, ohne die Möglichkeit zu haben, sich ausreichend zu entspannen. Die Folgen sind nicht nur psychisch, sondern auch physisch sichtbar. Hier sind einige Anzeichen, an denen du chronischen Stress erkennen kannst:
1. Verhalten im Alltag
2. Körperliche Anzeichen
3. Veränderungen im Training
4. Veränderungen im Fressverhalten
Typische Ursachen für chronischen Stress
Was kannst du gegen chronischen Stress tun?
1. Training anpassen:
2. Stressquellen identifizieren:
3. Gesundheit checken:
Fazit:
Pferde kommunizieren ständig – wir müssen nur lernen, zuzuhören. Wer die Körpersprache seines Pferdes liest und respektiert, wird nicht nur Missverständnisse vermeiden, sondern auch die Partnerschaft stärken. Indem du die Signale deines Pferdes erkennst und darauf eingehst, schaffst du ein Training, das Freude und Vertrauen fördert.
Für weitere Impulse zum zufriedenstellenden und fairen Training, hör doch mal in meinen Podcast "Fair und Frei" rein! <3
ÜBER DIE AUTORIN
Celina Ronneburg
Celina Ronneburg ist die Gründerin von Equine.Elevate und steht für pferdegerechtes und gesunderhaltendes Training auf Basis innovativer Trainingsmethoden.
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