Warum Freiheit das neue Ziel im Pferdetraining sein sollte

Ich kann euch versprechen, es gibt nichts Schöneres als gemeinsam mit seinem Pferd zu laufen – ganz egal wo – und wirklich verbunden zu sein. Das Pferd läuft dort hin, wo du hinläufst, weil es sich für deinen Weg interessiert und deiner Idee folgt. Man geht gemeinsam seinen Weg. Das ist Harmonie. Aber kaum jemand macht diese Erfahrung, kaum ein Pferd, kaum ein Mensch.

Noch häufig regieren Kontrolle, Druck und Zwang das tägliche Miteinander. Das Pferd kann nicht freigelassen werden, da es sich sofort abwendet oder nicht genug Interesse am Menschen hat. Es muss also gezwungen werden, das zu tun, was der Mensch möchte. Anstatt ihm zu erklären und sich ihm in seiner Sprache anzupassen, greift man auf strikte Dominanz und die Verwendung von Hilfsmitteln zurück. Oft werden Signale des Pferdes übergangen oder als Unart abgetan. Man soll sich durchsetzen, das Pferd “in den Griff” bekommen.

So muss das nicht sein. In diesem Blogbeitrag erkläre ich, wieso es so sinnvoll ist, das Ziel des Trainings neu zu definieren. Denn das, was passiert, wenn wir das Pferd als aktiven Partner sehen, der aus eigenem Antrieb mitarbeitet, stellt alles auf den Kopf.

 

  1. Was bedeutet Freiheit im Pferdetraining überhaupt?

Freiheit und Freiwilligkeit sind für mich sehr eng verwoben. Freiheit im Training bedeutet, das Pferd nicht durch physischen Kontakt zu kontrollieren, sondern es im Freien verlässlichen Anschluss finden zu lassen. Ich arbeite grundsätzlich ohne Halfter und Seil, damit das Pferd seine Befindlichkeiten wirklich zeigen kann, damit ich seine wahren Emotionen und Gedanken sehe. Ich schränke mich selbst und mein Pferd ein, wenn ich Hilfsmittel (dazu gehört auch das Halfter) nutze. Warum?

Mein Pferd schränke ich ein, weil es jetzt nicht mehr uneingeschränkt zeigen kann, was es fühlt, wie es denkt. Weil ich ihm ein Stück seiner Freiheit nehme.

Mich schränke ich ein, weil ich mir und meinen Fähigkeiten, z.B. meiner Empathie keinen Raum lasse. Ich muss mich nicht körpersprachlich verändern, andere Signale senden, lernen – ich habe ja das Seil. Also mache ich es mir leicht.

 

  1. Was sind die Vorteile von Freiheit im Training? Hier einige, aber lange nicht alle:
  • Vertrauensaufbau: Das Pferd fühlt sich als gleichwertiger Partner wahrgenommen. Es wird mutiger, weil es weiß, dass es sich auf uns verlassen kann.
  • Bessere Motivation: Pferde, die im Training gesehen werden und auf die aktiv eingegangen wird, zeigen mehr Interesse und Freude am Training, weil sie wissen, dass sie das Training beeinflussen können und nicht machtlos sind.
  • Förderung der Selbständigkeit und des Denkens: Pferde lernen, eigenständige Entscheidungen zu treffen und aktiv mitzudenken, was zu einer besseren geistigen Auslastung führt. 
  • Gesundheitliche Vorteile: Weniger Zwang bedeutet weniger körperlicher und mentaler Stress für das Pferd. Es kann sich freier bewegen und entwickelt weniger muskuläre Verspannungen.
  • Problematisches Verhalten wird weniger: Pferde, die sich verstanden und respektiert fühlen, sind in der Regel weniger gestresst. Somit tritt problematisches Verhalten deutlich seltener auf. Gleichzeitig können wir problematische Verhaltensweisen auflösen, weil wir verstehen können, wieso dieses Muster auftritt und andere Umstände für das Pferd schaffen können.

 

  1. Wie du Freiheit in dein Training integrieren kannst
  • Lasse das Halfter weg, wenn du Bodenarbeit machst: Wenn du auf dem Platz oder in einer Longierhalle bist, gewöhne dich daran, alle Herausforderungen im Freien zu bewältigen. Öffne dich für die Signale, die dir dein Pferd sendet und bilde dich weiter, indem du dir (Online-)Kurse anschaust und daran teilnimmst. Für die Freiarbeit kann ich dir meine kleine Mitgliedschaft – die Elementary-Mitgliedschaft – empfehlen.
  • Lasse dein Pferd die Initiative ergreifen: Auch dein Pferd kann Ideen ins Training mit einbringen. Unterbinde diese nicht, sondern öffne dich ihnen. Wenn dein Pferd dir im Training etwas anbietet, gehe gern drauf ein und genieße die Dynamik, die entsteht.
  • Reduziere den Einsatz von Hilfsmitteln: Trenne dich z.B. von Longierhilfen oder scharfen Gebissen und ersetze diese durch das richtige Training. Lerne, dein Pferd im Freien in eine gute Haltung denken zu lassen, helfe ihm, ein gutes Gefühl für seinen Körper zu entwickeln und bewusst bestimmte Muskelgruppen anzuspannen. Meine Selbsthaltungs-Livestreams sind in diesem Bereich immer sehr spannend und lehrreich.
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  1. Herausforderungen und Missverständnisse

   Viele Menschen denken, dass Pferde ohne Druck und Dominanz nicht gehorchen oder respektlos werden. Ich denke, dass Pferde ohne Druck und Dominanz ehrlich sind. Und viele Menschen das nicht einordnen können.

Pferde haben sehr feine Antennen. Sie sind Fluchttiere und extrem sensibel auf ihre Umweltreize abgestimmt. Sie bemerken Mückenstiche an ihrem großen Körper, riechen Cortisol (Stresshormon) und bemerken sogar Veränderungen im Wetter noch bevor sie eintreffen. Wir brauchen keine Kraft oder sogar Gewalt im Training mit dem Pferd. Wir brauchen Wissen.

Wie man Herausforderungen meistern kann - 3 Beispiele:

  1. Das Pferd beißt: Beobachte dein Pferd. Auf was reagiert es? Wann tritt dieses Verhalten auf? Wenn du deinem Pferd den bösen Willen (dir gegenüber) absprichst, hinterfragst du von ganz allein, was denn nicht stimmen kann. Pferde haben nur diese Sprache, anders können sie sich nicht mitteilen. Prüfe also, ob es Schmerzen haben könnte, etwas unangenehm findet und strafe es nicht dafür, dass es mit dir spricht. Denn dann wird es mit dir irgendwann nicht mehr sprechen wollen.
  2. Das Pferd rennt mich um: „Attention flows, where energy goes.“ Wem du die Aufmerksamkeit schenkst, dem gibst du die Energie. Vielleicht kennst du das Video: 6 Menschen spielen Ball und sollen sich darauf konzentrieren, wie viele Würfe sie in einem bestimmten Muster machen. Sie sind so sehr auf diese Aufgabe konzentriert, dass ihnen gar nicht auffällt, dass ein Mensch im Gorilla-Kostüm den Weg kreuzt. Und so ist es auch in dieser Situation: Du bist nicht interessant genug, um von deinem Pferd wahrgenommen und „geachtet“ zu werden. Sei du das, was die Aufmerksamkeit des Pferdes bekommt.
  3. Das Pferd scharrt auf der Stallgasse, wenn ich es dort anbinde: Auch hier ärgert dich das Pferd nicht mutwillig. Es hat schlichtweg nichts zu tun dort am Anbinder. Ich handhabe es so: Mein Pferd darf, während ich z.B. miste oder Dinge vorbereite, mit den Vorderbeinen aus der Box und dort alles tun. Meist frisst sie dann ihr Heu, welches vor der Box liegt. Mit den Hinterbeinen soll sie in der Box bleiben. Immer wieder widme ich mich ihr zu, schmeiße ihr ein Leckerli zu oder gebe ihr eine kleine Aufgabe. Wenn ich z.B. am Ende meiner Aufgaben fegen muss, lasse ich sie aktiv mitdenken und die jeweiligen Beine heben.

Diese Art des Trainings erfordert auch eine mentale Umstellung für den Menschen. Gebe dir selber die Zeit, alte Gedanken- und Verhaltensmuster loszulassen und neu / anders mit den Dingen und deinem Pferd umzugehen.

 

  1. Wir lernen niemals aus. Und wir können nie genug über uns und unser Pferd lernen.

   Also probiere dich etwas in der Freiarbeit und bilde dich weiter. Ich habe viele Lernangebote, von der Online-Akademie angefangen bis zu Livestreams oder 1:1 Training – und freue mich sehr, wenn du mal vorbeischaust!

Auch auf Instagram und TikTok poste ich Trainingseinblicke und -Ideen. Es lohnt sich also, die Kanäle, natürlich kostenfrei, zu abonnieren! 😉

 

P.S. Ganz neu ist mein Podcast „Fair & Frei“. Neugierig? Dann schau mal vorbei!


ÜBER DIE AUTORIN

Autor

Celina Ronneburg

Celina Ronneburg ist die Gründerin von Equine.Elevate und steht für pferdegerechtes und gesunderhaltendes Training auf Basis innovativer Trainingsmethoden. 

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