Enrichment umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen, die Lebensqualität von Tieren – insbesondere von Pferden – zu steigern. Durch gezielte Reize und Herausforderungen werden körperliche und kognitive Fähigkeiten sowie natürliche Verhaltensweisen gefördert. Enrichment ist mehr als nur Beschäftigung; es bedeutet pferdegerechtes und motivierendes Training, eine gesundheitsfördernde Gestaltung des Alltags und kreative Ideen, um das Leben unserer Pferde bereichern.
Ziel von Enrichment ist es, das Pferd sowohl im Privatleben als auch in gemeinsamen Aktivitäten geistig und körperlich zu fordern. Indem es neue Talente entdecken und Selbstwirksamkeit erleben kann, steigert Enrichment die Lebensqualität des Pferdes. Dabei steht nicht der Mensch im Fokus, sondern das Pferd selbst, das aktiv wird und seine Umgebung erkundet.
Der Alltag lässt sich durch Enrichment-Maßnahmen vielseitiger gestalten. Hier einige Beispiele:
Enrichment reduziert Langeweile und Stress und stärkt die soziale Bindung zwischen Pferd und Mensch. Es steigert das Wohlbefinden, fördert Neugier und Kreativität und unterstützt das Mitdenken und die Motivation im Alltag. Auch die Fähigkeit zur Problemlösung und kognitive Flexibilität werden gefördert. Insgesamt unterstützt Enrichment das Pferd dabei, auf ganzheitliche Weise geistig und körperlich aktiv zu bleiben und neue Fähigkeiten zu entwickeln.
Pferde leben in einer vom Menschen geschaffenen Umgebung, die oft stark von ihrer natürlichen Lebensweise abweicht. Deshalb ist es Aufgabe des Menschen, diese Umgebung so zu gestalten, dass das Pferd möglichst viele seiner natürlichen Verhaltensweisen ausleben kann. Die Gestaltung lässt sich in zwei Bereiche gliedern:
Neue Reize beeinflussen nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Gesundheit und die Alterung des Pferdegehirns. Besonders im Alter nimmt die Plastizität des Gehirns, also die Fähigkeit, neue Informationen zu verarbeiten und zu speichern, ab. Wenn das Gehirn jedoch regelmäßig stimuliert wird, bleiben die Neuronen länger vernetzt und aktiv.
Diese Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich durch neue Eindrücke zu verändern, spielt auch eine wichtige Rolle in der Kognition und der neuronalen Vernetzung. Durch gezielte kognitive Herausforderungen werden synaptische Verbindungen im Pferdegehirn gestärkt, was eine bessere Informationsverarbeitung und ein schnelleres Reagieren auf neue Reize ermöglicht.
Das Pferdegehirn weist einige anatomische Besonderheiten auf, die eng mit den Bedürfnissen als Fluchttier, Lauftier und Herdentier verknüpft sind. Ein ausgeprägtes Kleinhirn ermöglicht dem Pferd eine exzellente Bewegungskoordination und Feinmotorik. Das limbische System, das für Emotionen und soziale Interaktionen verantwortlich ist, ist ebenfalls gut entwickelt.
Das Gehirn lässt sich in zwei Hemisphären gliedern: Die linke Seite ist für logisches und analytisches Denken zuständig, die rechte für kreative und emotionale Prozesse. Übungen, die beide Körperhälften ansprechen, wie das Überqueren von Stangen oder Hindernissen, fördern die Integration beider Gehirnhälften und die kognitive Flexibilität. Auch abwechslungsreiche Reize wie Gerüche, Geräusche und visuelle Eindrücke stärken die neuronale Vernetzung und die kognitive Entwicklung des Pferdes.
Je mehr das Pferd lernt, desto effizienter wird sein Gehirn darin, Neues zu verarbeiten. Beim kontinuierlichen Lernen werden neuronale Verbindungen geschaffen, die sich durch Wiederholungen zu stabilen synaptischen Bahnen formen. Ein Pferd, das regelmäßig mit neuen Herausforderungen konfrontiert wird, baut sich also quasi einen „Lernvorteil“ auf, der das zukünftige Lernen vereinfacht.
Pferde lernen auf verschiedene Arten, die im Training gezielt genutzt werden können, um die kognitiven und physischen Fähigkeiten des Pferdes optimal zu fördern.
Ein Beispiel für operante Konditionierung wäre das Training mit einer Wippe:
Ich persönlich arbeite nur mit positiver Verstärkung und positiver Strafe. Für mich ist es das Fairste. Aber generell gesprochen sollten all diese Methoden bedacht angewendet werden - stärkere Strafen wie das Schlagen mit der Gerte oder Futterentzug haben im Training nichts verloren.
Kognitives Lernen ist eine fortgeschrittene Form des Lernens, bei der das Pferd durch Problemlösungen und Kreativität lernt. Dabei geht es nicht um die direkte Reiz-Reaktions-Verbindung, sondern darum, Zusammenhänge zu verstehen und eigenständig Lösungen zu entwickeln. Solche Aufgaben, die das eigenständige Denken fördern, sind besonders wertvoll für die kognitive Entwicklung und Flexibilität.
Unsere Umfrageergebnisse:
Auf Instagram gab es vergangene Woche Umfragen zu diesem Thema. Hier die Ergebnisse:
Pferde haben vielfältige Möglichkeiten, durch Enrichment gefördert zu werden. Wer die unterschiedlichen Lernprozesse versteht, kann gezielt auf die Bedürfnisse der Tiere eingehen und ein Umfeld schaffen, das ihre kognitiven und physischen Fähigkeiten stimuliert. Ein gut durchdachter Pferdealltag, der verschiedene Lernformen und Enrichment-Maßnahmen integriert, fördert nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Bindung zwischen Mensch und Pferd und ermöglicht einen gesunden, abwechslungsreichen Alltag.
In meiner Academy findet ihr ausgefallene Übungen zur Bereicherung eures Trainings. Dabei wird das Pferd nicht nur geistig angeregt - auch der Pferdekörper profitiert mit Kräftigung und Gymnastizierung. Das Pferd lernt unter anderem, seinen Körper bewusst einzusetzen und partiell sowohl anzuspannen, als auch zu entspannen. Auf Instagram oder TikTok kannst du dir ein genaueres Bild von der Arbeit machen. :)
Bei kleine Tante im Shop (kleinetante.com) findet ihr Trainingsequipment wie Wippen, aber auch ausgefalleneres Equipment wie Pyrotechnik, allerlei Ergänzungen für ein gutes Gelassenheitstraining, Futterspielzeuge uvm. - auch hier lohnt sich ein Blick!
Ein Artikel von Celina Ronneburg (equine.elevate) und Britta Gockel (kleinetante)
ÜBER DIE AUTORIN
Celina Ronneburg
Celina Ronneburg ist die Gründerin von Equine.Elevate und steht für pferdegerechtes und gesunderhaltendes Training auf Basis innovativer Trainingsmethoden.
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