Bestrafung ist in vielen traditionellen Pferdetrainingsmethoden ein fester Bestandteil. Doch immer mehr Erfahrungen und auch Studien zeigen, dass Bestrafung nicht nur ineffektiv, sondern auch kontraproduktiv sein kann. Während kurzfristig vielleicht ein unerwünschtes Verhalten unterbunden wird, führt Bestrafung langfristig zu Angst, Vertrauensverlust, unerwünschtem Verhalten und einer sinkenden Motivation des Pferdes. Mit diesem Artikel möchte ich einen kleinen Denkanstoß geben.
Was versteht man unter Bestrafung im Pferdetraining?
Bestrafung kann verschiedene Formen annehmen: vom harten Ruck am Zügel oder Seil über den Einsatz der Gerte bis hin zu wirklicher, körperlicher Gewalt dem Tier gegenüber. Ziel ist es, ein Verhalten zu unterbinden. Doch genau hier liegt das Problem:
Die Ursache des Verhaltens wird nicht behoben, sondern nur das Symptom unterdrückt.
Warum Bestrafung problematisch ist
Pferde sind Fluchttiere und reagieren besonders sensibel auf Druck und Bedrohung. Bestrafung löst in ihnen Stress aus, der das Vertrauen zum Menschen mindert. Ein ängstliches Pferd arbeitet nicht freiwillig mit, sondern reagiert nur auf äußeren Zwang.
Beispiel: Ein Pferd, das beim Satteln weicht, wird oft damit bestraft, indem man es weiter bedrängt. Dabei könnte das Weichen z.B. auf Schmerzen (im Rücken?) hinweisen, die behandelt werden müssten. Später wird das Problem also nur größer, z.B. im Sinne von Sattelzwang, und nicht gelöst.
Bestrafung sorgt dafür, dass das Pferd ein Verhalten kurzfristig einstellt, beseitigt aber nicht die Ursache. Die innere Anspannung bleibt bestehen, und das Verhalten kann jederzeit erneut auftreten.
Beispiel: Das Pferd beißt, z.B. beim Putzen. Ich strafe es dafür, dass es das tut und hinterfrage nicht, wieso es das tut. Kurzfristig mag das Pferd das Verhalten einstellen, die innere Anspannung bleibt aber bestehen und es kann jederzeit wieder zum Vorschein kommen, auch in Form eines anderen Problemverhaltens.
Pferde lernen durch positive Erfahrungen und Wiederholung. Wenn sie Angst haben, Fehler zu machen, wird ihre Lernbereitschaft gehemmt. Statt Neues auszuprobieren, agieren sie zögerlich und unsicher.
Beispiel: Ein Pferd, das für falsche Bewegungen beim Seitwärtsgehen bestraft wird, wird irgendwann gar nicht mehr versuchen, die Übung auszuführen.
Welche Alternativen gibt es zur Bestrafung?
Anstatt unerwünschtes Verhalten zu bestrafen, sollte gewünschtes Verhalten belohnt werden. Belohnungen können Futterlob, Streicheln oder Pausen sein.
Negative Verstärkung bedeutet, (fairen!) Druck wegzunehmen, sobald das Pferd das gewünschte Verhalten zeigt. Richtig angewendet ist dies ein effektiver und fairer Weg, um dem Pferd zu zeigen, was von ihm erwartet wird.
Bevor du ein Verhalten als „unerwünscht“ einordnest, versuche, die Ursache zu verstehen. Schmerzen, Stress oder Unsicherheit sind häufige Gründe für Fehlverhalten.
Ein Pferd, das dem Menschen vertraut, reagiert ruhiger und kooperativer. Investiere Zeit in den Aufbau einer soliden Basis. Da können Dir auch meine Kurse - gerade die Mitgliedschaften - sehr helfen. Schau doch mal hier.
Fazit:
Bestrafung mag kurzfristig wirken, aber sie schafft keine langfristige Lösung. Ein erfolgreiches Training basiert auf Vertrauen, Verständnis und positiver Motivation. Indem du Bestrafung durch Belohnung und Geduld ersetzt, förderst du die natürliche Lernbereitschaft deines Pferdes und schaffst eine harmonische Partnerschaft.
P.S.: Finde auch ein wenig Inspiration in meinem Podcast "Fair und Frei" und auf TikTok (equine.elevate).
ÜBER DIE AUTORIN
Celina Ronneburg
Celina Ronneburg ist die Gründerin von Equine.Elevate und steht für pferdegerechtes und gesunderhaltendes Training auf Basis innovativer Trainingsmethoden.
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